operationfuessle2


So...

...jetzt kommt der Dr. Hillmann wieder ins Spiel. Nach dem Chemo-Ende fuhren wir wieder nach Ingolstadt, um mit dem Doktor den Verlauf des "Knochenwachsens" zu besprechen. Ich sollte einen Fixateur bekommen, mit dem mein Knochen wieder wachsen soll. Das funktioniert so: Es werden 9 Pins (Stäbchen) in den Knochen geschraubt. Diese schauen dann zur Hälfte aus dem Bein heraus, damit so der Fixateur außen am Bein fest gemacht werden kann. Ein paar Tage nach der OP wird dann täglich geschraubt, damit das Bein pro Tag einen Millimeter länger wird. 12 cm sollten mit dieser Methode mein Knochen wachsen.

Am 03. April 2002 war es so weit, Mama, Papa und ich fuhren wieder nach Ingolstadt ins Krankenhaus. Die Klinikclowns waren schon vor Ort und heiterten die ganze Kinderstation auf. Sie bemalten aus Spaß meinen Fuß, damit die Ärzte bei der Operation wissen, wo sie aufschneiden müssen. Ich freundete mich mit dem kleinen Andreas an, der seit seiner Geburt im Rollstuhl saß. Zusammen machten wir mit unseren Rollis viele Wettrennen auf den langen Fluren des Krankenhauses.
Einen Tag später, am 04. April, ging es dann los. Ich musste wieder den ungeliebten Schlummertrunk trinken und wurde dann zum OP geschoben. Die Operation verlief super und ohne Komplikationen. Ich erwachte auf der Intensivstation und war noch benebelt von der Narkose. Eine Nacht blieb ich dort, dann gings zurück auf die Kinderstation. Da ich noch einen Zugang für die Infusion in der Hand hatte, konnte ich mich nicht alleine fortbewegen. Aber auf mein drängeln hin, wurde die Nadel rausgemacht und ich war wieder mobil. Mein kleiner Freund Andreas war auch noch auf Station und gemeinsam hielten wir die Schwestern und Pfleger auf Trab.
Ich freundete mich schnell mit dem Fixateur an - mir blieb ja auch nichts anderes übrig. Jeden zweiten Tag mussten wir die Pins pflegen. Es waren ja offene Wunden und wir mussten diese schön sauber halten, um eine Infektion vorzubeugen. 10 Tage nach der OP durfte ich das erste Mal am Fixateur schrauben. Ich hatte Angst, dass es weh tut, aber ich spürte nichts.
Immer wieder kamen meine Geschwister und Oma & Opa zu Besuch. Und auch Isabella aus Tübingen schaute bei mir vorbei.
Am 18. April feierte ich meinen 13. Geburtstag. Es kam viele Leute. Sogar bis zum klinikeigenen Kindergarten hat es sich rumgesprochen und plötzlich stand ein Haufen voll Kinder in meinem Zimmer und haben mir ein Lied gesungen. Auch Dr. Hillmann kam zum gratulieren und schenkte mir zwei hübsche Haarspangen. Er meinte, dass er mich sonst nicht mehr erkennt, wenn meine Haare nachgewachsen sind. Es war ein schöner Tag.

Einen Tag später ging es ab nach Hause und uns hatte der Alltag wieder.
Ich ging endlich wieder zur Schule. Durch das eine Jahr Chemo habe ich allerdings so viel Stoff verpasst, dass ich die sechste Klasse wiederholte. Ich bekam zwar während der Chemo ab und zu Hausunterricht von der Caro, aber meistens war ich einfach zu schwach für's lernen. Aber es war egal. Die neue Klasse wurde mit Filmen und Berichten über meine Geschichte aufgeklärt. Sie haben mich ganz lieb aufgenommen und mich so akzeptiert, wie ich bin.

Nebenbei mussten wir alle 4 Wochen nach Regensburg zur Nachsorge. Jedes Mal war ein Stück Angst dabei, dass etwas nicht passt. Ich hatte große Angst vor einem Rückfall, denn ich wollte endlich wieder normal sein. Doch bei jeder Untersuchung, die positiv ausgefallen ist, wurde die Angst kleiner.

Am 11. Juli 2002 feierten wir in Regensburg das Ex-Hicki-Fest. Es ist ein Fest für alle, die die Chemo abgeschlossen und ihren Hickman entfernt bekommen haben. Wir waren 7 Mädchen: Martina, Nathalie, Tamara, Annika, Tanja, Mirijam und ich. Annika und Martina haben es leider nicht geschafft, sie sind 2008 bzw. 2004 gestorben.

Ein weiteres Highligh 2002 war der Ausflug mit dem VKKK ins Legoland Deutschland nach Günzburg. Durch Rollstuhl und Krücken hatte ich zwar den Nachteil, dass ich nicht alles ausprobieren konnte. Dafür mussten wir bei den Attraktionen, die ich benutzen konnte, nie anstehen. Es gab einen extra Eingang für Behinderte, bei dem man gleich bis nach vorne kam. Es wurde wirklich ein schöner Tag.

Und natürlich nicht zu vergessen: Meine Haare sind wieder gewachsen. Anfangs kamen die erhofften Locken, aber je länger die Haare wurden, desto glatter wurden sie.

Das Jahr verging also, mein Knochen wuchs richtig schön und am 12. Dezember 2002 lag ich wieder im OP. Dieses Mal wurde der neue Knochen am Sprunggelenk festgemacht, dieses ist seit dem versteift Die oberen drei Pins wurden nicht mehr gebraucht und deshalb rausgemacht. Der Fixateur wurde eine Nummer kleiner wieder rangeschraubt.

So blieb das ganze Ding noch drin bis März 2003. Dann wurde er endlich abgebaut. Das ist ganz leicht, man schraubt zuerst den Fixateur ab und danach die Pins aus dem Bein. Alles ambulant, es tut gar nicht weh. Ich bekam nachher noch 2 x einen Gips, damit auch wirklich nichts passiert.

Als der endlich abgemacht wurde, fühlte ich mich wie ein freier Mensch und ging nach 2 (!!!) Jahren endlich wieder ohne Krücken. Endlich war ich wieder "frei"!

Ich bekam orthopädische Schuhe, die mein rechtes, nur noch halb vorhandenes Sprunggelenk die nächste Zeit stützen sollte.

Im Sommer fuhren wir nach Bad Oexen zur Kur, erholten uns und nahmen das als Abschluss für die ganze Geschichte.

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