Regenbogenfahrt 2013


Regenbogenfahrt 2013 - das ultimativer Erlebniss

Regenbogenfahrt 2013

Als drei Wochen vor Beginn der Tour die Nachricht kam „Frau Albrecht, es ist doch noch ein Platz frei. Haben Sie noch Interesse an der Regenbogenfahrt?“ machte ich einen Luftsprung vor Freude. Nach fast zwölf Jahren konnte ich das „Versprechen“, dass ich meinem Papa gegeben habe, einlösen. Damals hatte er während meiner Erkrankung von der Regenbogenfahrt gelesen und gesagt: „Theresia, wenn du gesund bist, dann kannst du auch mitfahren!“
Nun blieben mir gerade mal drei Wochen, um alles zu organisieren. Urlaub musste beantragt werden, Jakob muss versorgt sein, das Rad und die Ausrüstung müssen gecheckt werden und trainieren sollte man auch ein bisschen.
Erst ziemlich kurz vor dem Abreisetag kam mir in den Sinn, ob ich das alles, was ich in den nächsten zehn Tagen erleben werde, verkraften kann? Halte ich es als Mutter aus, (kleine) Kinder leiden zu sehen? Wie wird das sein, das erste Mal nach so vielen Jahren wieder auf einer Kinderkrebsstation zu stehen? Es schaute so aus, als würde es eine pure Reise in die Vergangenheit werden!
Zusammen mit Eva fuhr ich nach Würzburg. In der Jugendherberge liefen schon viele Regenbogenfahrer rum. Man erkannte sie sofort am buntem Regenbogen-Bändchen, das bei jedem am Handgelenk baumelt.
Wir wurden sehr herzlich begrüßt und von Anfang stand eine gewisse Offenheit im Raum. Dadurch, dass jeder seine eigene Krebsgeschichte hatte, sind wir unsichtbar verbunden – und trotzdem so verschieden. Einfach herrlich! Wenn wir uns einander vorgestellt haben, war spätestens die dritte Frage: „Und, welchen Krebs hattest du?“ Hätte uns ein Außenstehender zugehört, würde dieser wahrscheinlich meinen, wir sind völlig „gaga“. Aber das ist einfach das besondere an dieser Gruppe. Man braucht nicht viel um den heißen Brei herumreden, weil dein Gegenüber genau versteht, wovon du redest.
Gelegenheiten zum Austausch gab es viele. Am Meisten natürlich, wenn wir mal wieder dabei waren, die knapp 600-km-Strecke zu bewältigen. Da wir 45 Radfahrer waren, war die Abwechslung riesengroß. Spätestens beim nächsten Halt brachte der Zufall einen neuen „Partner“.
Das Radfahren war herrlich schön, lustig und auch verdammt anstrengend. Wenn ich nur an meinem scherzenden Popo denke: „uiuiui“. Die ersten Tagen waren wirklich „aua“. Doch sobald ich an die kranken Kinder dachte, habe ich die Schmerzen schnell vergessen. Es gibt (leider) schlimmeres!!
Umso mehr freute ich mich auf die Besuche.
In den ersten Kliniken, bei denen wir Halt machten, besuchte ich Kinder, die das Alter von Jakob hatten, weil ich weiß, mit was man solche kleinen Rabauken faszinieren kann. Glücklicherweise musste ich in keiner Sekunde daran denken „Mensch, der kleine Knirps da im Bett ist gerade mal so alt wie Jakob und kämpft ums Überleben“. Ganz im Gegenteil. Es wurde gelacht, gespielt und getobt. Von der schweren Krankheit keine Spur zu sehen. Es war vor allem für die Eltern hilfreich zu sehen, es gibt ein Leben nach dem Krebs – und jeder kann es schaffen!
Und dann kam ich zu Leah…
Ich habe vor jedem Besuch beim Personal nachgefragt, ob jemand mit einem Knochentumor auf Station liegt und es hat wirklich gedauert, bis dass ich in München ein „ja“ hörte. Zusammen mit zwei anderen Regenbogenfahrern traf ich auf ein Mädchen, das einen ähnlichen Tumor hat wie ich. Im Laufe des Gespräches stellte sich heraus, dass in ihrem Zimmer ein Mädchen mit einem Osteosarkom („mein“ Tumor) liegt. Diesem Mädchen ging es total schlecht, die Mundschleimhäute hatten sich aufgrund der schwer Chemo entzündet. Das war mein Stichwort. Ich MUSSTE zu dem Mädchen hin. Wer könnte ihre Schmerzen besser nachvollziehen als ich? Ich wusste verdammt genau, wie es ihr geht!
Und so kam ich zu Leah!
Bepackt mit dem Regenbogenbändchen und unserem Regenbogen-Song bin ich zu ihr ins Zimmer. Trotz meiner schmerzenden Knie habe ich mich vor ihr Bett gekniet und einfach gesagt: „Mensch Leah, ich weiß genau wie es dir geht. Ich hatte das Selbe wie du und auch immer so offene Mundschleimhäute. Aber schau mich an, ich bin gesund und DU wirst das auch!“ Man war das ein Erlebnis. Die Hoffnung, die von mir auf Leah überging, war greifbar. Genau in diesem Moment merkte ich, wozu diese Tour gut war: Zum Mut machen und Hoffnung schenken.
Obwohl Leah große Schmerzen beim Sprechen hatte – ihre Mama assistierte ein bisschen – wollte sie vieles wissen und erzählte von sich. Ich erzählte ihr viel von mir und zeigte ein paar Bilder von meiner Chemotherapie. Die Verbundenheit zwischen uns war einfach nur magisch. So wie Leah im Bett saß und vor Schmerzen weinte, genau so saß ich vor über zwölf Jahren auch im Bett und weinte vor Schmerzen.
Leider tickte sehr bald die Uhr und ich musste weiter – die Abfahrt nahte, es stand noch ein weiterer Klinikbesuch an. Ich wollte Leah unbedingt etwas von mir dalassen und so schenkte ich ihr kurzerhand meinen Eulenschlüsselanhänger, welchen ich von einer sehr guten Freundin geschenkt bekommen habe. Was anderes hatte ich einfach nicht dabei. Wir tauschten schnell noch Handy-Nummern und dann musste ich auch schon los und wollte eigentlich noch gar nicht weg. Das erste und einzige Mal kam ich zu spät zur Abfahrt, weil ich mich so verplaudert hatte. Noch bevor ich wieder auf dem Rad saß, wusste ich, ich muss noch mal hier her kommen. Wie der Zufall es will, hatten wir genau an diesem Abend freie Verfügung. Leah freute sich tierisch, als ich ihr mitteilte, dass ich am Abend nochmal vorbei kommen mag.
So war ich abends noch mal drei Stunden in der Klinik und hab mit Leah geplaudert, ihr Mut gemacht und sie getröstet. Es war für mich schlimm, sie so leiden zu sehen. Wenn sie spucken musste und gleichzeitig weinte, weil die Schmerzen im Mund unerträglich wurden. Es war, als müsste ich die Schmerzen selbst ertragen.

Zum Abschied habe ich Leah meine HOPE-Kette von der Kinderkrebsstiftung geschenkt. Ich habe diese Kette ständig und überall getragen und es war das Beste, was ich Leah mitgeben konnte: Eine Kette, wo hinten und vorne dreimal HOPE, also Hoffnung steht, damit sie das nie vergisst!!

Mein Feedback zur Tour: Ich habe noch NIE etwas Sinnvolleres getan, als die Regenbogenfahrt. Eltern, Ärzte und Krankenschwestern können einem krebskranken Kind noch so viel erzählen und Mut machen. Wenn aber zu dem kranken Kind ein junger Mensch kommt, der das gleiche überstanden hat, dann ist das Motivation pur! Besser geht’s wirklich nicht!!

Meine Ängste, die ich zu Beginn der Tour hatte, haben sich nicht bestätigt. Ich habe in den 10 Tagen wirklich viel an meine eigene Geschichte gedacht. Aber nicht deshalb, weil ich mit den Spätfolgen nur schwer zurechtkomme, sondern weil ich meine Geschichte nutzen will, um anderen Kindern Mut zu machen.

Und es stimmt immer wieder:

…DOCH nirgends sonst als auf der Kinderkrebsstation habe ich mein Leben wieder lieben gelernt!!

 

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